Nevelung - Land der Nebel


Reisender, kommst du nach
Nevelung



Die Tage, die da waren


Vom Land...


...den Dörfern...


...und den Leuten


Geheimnisse in Nevelung


Nevelung heute

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Reisender, kommst du nach Nevelung...

 

Der Qualm der Tabakspfeife, den der alte Bauer in der Ecke tief in sich aufsog, schwebte in der Luft. Sonnenstrahlen fielen durch das Fenster, fingen sich in ihm, als wollten sie in der Trägheit des Mittags verharren. Einzig das Klappern des Löffels, mit dem Perval, der einarmige Bettler am Tisch neben der Türe einen Teller Linsensuppe gierig verschlang, störte die Ruhe. Dythlind Leinsamen stand hinter der Theke und spielete gedankenverloren mit dem Geschirrtuch in ihren Fingern. Jetzt, Ende Rahja, konnte man nicht mit viel Kundschaft im „Herdfeuer“, ihrem Gasthaus, rechnen, zumal in der Mittagsstunde.

Neben dem Bettler öffnete sich die Türe und ein Wandersmann trat ein. Der Staub an seinen Gewändern ließ darauf schließen, dass er heute schon ein gutes Stück ‚Weg hinter sich gebracht hatte. Während er sich zur Theke bewegte, sprach er: „Die Zwölfe zum Gruße, gute Frau. Aus Ysilia führen mich meine Wege um bei Mutter Travia Gastfreundschaft zu suchen. Mögt Ihr mir ein kühles Bier bringen?“ Während Dythlind am Fass einen Krug vollaufen ließ, musterte sie den Mann eingehend. Sein wirres Haar und seine nachlässige Kleidung zeigten den Typischen Abenteurer, der für eine Hand voll Dukaten bereit war, in jedes Gewölbe hinab zu steigen. Auch das Kurzschwert, der Bogen und der kunstvoll verzierte Dolch, den er neben dem Anderthalbhänder mit sich herumschleppte, enttarnten ihn als Mann dieses Gewerbes. „Erlaubt mir eine Frage,“ hob der Fremde zu sprechen an, „ ihr habt doch gewisslich schon mal etwas von Sumus Kate gehört, der Insel im Ysli-See?“ „Oh“, sagte die Wirtin, „ das ist kein geheuerer Ort, nicht für einen götterfürchtigen Mann. Sie liegt unten in Nevelung. Aber da geht kein Rechtschaffender hin.“ „Erzählt mir mehr von dieser geheimnisvollen Insel und diesem Nevelung. Wie gelange ich dort hin?“

Der Bettler hatte zu essen aufgehört und auch der Bauer in der Ecke hatte aufgehorcht, als die Insel Sumus Kate erwähnt wurde.

„Von Liliengrund aus kommt ihr nicht zur Insel. Die Fischer meiden diesen Teil des Sees. Böse Dinge gehen dort vor. Doch vielleicht habt ihr Glück, wenn Ihr’s in Fischloch versucht. Aber seht euch vor.“ Fragend blickte der Abenteurer der Wirtin ins Gesicht. „Fischloch liegt eine Tagesreise von hier im Süden.“ Und mit flüsternder Stimme fügte sie hinzu: „Im Nebelwald“. Hartnäckig fragte der Wanderer weiter: 2 Sprecht mehr von dieser Gegend.“

„Der Nebelwald. Da kommt nichts Gutes her. Ist doch der alte Baron von Nevelung vor Jahren aus dem höchsten Turmfenster des Schlosses gesprungen. Keiner weiß, warum.“ Und mit deutlich gedämpfter Stimme fügte sie hinzu: „und der Neue, dieser Baron Gwendion, der taugt auch nicht viel. Im Wald, da hausen die Räuber. Seht euch vor. Oft hört man, dass mal wieder ein Reisender im Wald verschwunden ist. Und der kommt da nimmermehr heraus. Und kommt er doch, dann ist er ausgeraubt bis auf den letzten Heller. Schon oft sind die adeligen Herrschaften vom Lilienstein aufgebrochen, um die Schurken zu stellen. Aber was meint ihr? Die Halunken sind immer wieder entwischt. Oft ziehen Wanderer durch unser Dorf. Und wenn Ihr denkt, die benutzen die Straße, dann irrt ihr euch. In der Abenddämmerung schleichen sie am Waldrand entlang. Weiß Travia, wo die ihre Nächte verbringen. Im „Herdfeuer jedenfalls nicht. Und wenn sie dann den See erreicht haben, breiten sie die Arme aus und rufen die Nebel. Meine Base Hilda aus Hirschfurten hat es selbst einmal gesehen. Und nach einer Weile kommt eine Barke aus den Nebeln hervor und nimmt den Wanderer auf. Was dann aber auf der Insel drüben passiert, weiß niemand. Ich weiß nur, dass es nicht mit den Zwölfen zugeht, da unten.“